![[Fotos/Bilder] Drehbuchautor Gen Urobuchi blickt zurück: Wie er zu „Puella Magi Madoka Magica“ kam und wie die Anime-Szene damals war [Walpurgisnacht: Rising – Interview] 1.](https://times-abema.ismcdn.jp/mwimgs/f/b/724w/img_fbb30b612f1af981c22c1964d3d1464a510655.jpg)
„Puella Magi Madoka Magica the Movie -Walpurgisnacht: Rising-“ läuft derzeit in den Kinos – der erste komplett neue Teil der Reihe seit 13 Jahren. Auch bei diesem Film gehört Gen Urobuchi von Nitroplus als Drehbuchautor zum Kernteam, gemeinsam mit Chefregisseur Akiyuki Shinbo und Charakterdesignerin Ume Aoki.
Seit seinem Debüt mit dem PC-Spiel „Phantom -PHANTOM OF INFERNO-“ hat Urobuchi neben Spiel-Szenarien auch Romane und Anime-Drehbücher verfasst. Doch seine Mitwirkung an der 2011 ausgestrahlten TV-Anime-Serie „Puella Magi Madoka Magica“ sorgte damals unter Anime-Fans für besonders viel Gesprächsstoff.
Wir haben Urobuchi kurz vor dem Kinostart von „Puella Magi Madoka Magica the Movie -Walpurgisnacht: Rising-“ interviewt und ihn gefragt, wie es zu seiner Mitwirkung an „Puella Magi Madoka Magica“ kam, wie er die damalige Produktion erlebte und wie sich diese Gefühle seither verändert haben.
— Als „Puella Magi Madoka Magica“ ausgestrahlt wurde, sorgte es für Gesprächsstoff, dass ausgerechnet Urobuchi, der bis dahin vor allem für kompromisslose, ernste Werke bekannt war, sich an einem Magical-Girl-Anime beteiligte. Können Sie uns noch einmal erzählen, wie es damals zu Ihrer Mitwirkung kam?
Gen Urobuchi (im Folgenden: Urobuchi): Der Auslöser war, dass Atsuhiro Iwakami von Aniplex auf „Fate/Zero“ aufmerksam wurde – den Roman, den ich selbst geschrieben hatte. Darüber kam das Angebot: „Shinbo und Aoki planen gerade ein Magical-Girl-Projekt, würdest du das Drehbuch übernehmen?“
Allerdings wusste ich zunächst nicht, wie ich ein Magical-Girl-Werk schreiben sollte, also zeigte man mir „Magical Girl Lyrical Nanoha“ und „Le Portrait de Petite Cossette“.
— Beides Werke von Regisseur Shinbo.
Urobuchi: Ich dachte mir, dass etwas zwischen diesen beiden Werken die richtige Richtung sein könnte, und legte auf dieser eigenen Interpretation basierend das erste Konzept vor. Als ich grünes Licht bekam, begann die Produktion.
— Wenn man beide Werke, „Magical Girl Lyrical Nanoha“ und „Le Portrait de Petite Cossette“, kennt, ergibt das durchaus Sinn. Aber damals war das für Anime-Fans doch eine überraschende Besetzung, oder?
Urobuchi: Das hat mich selbst überrascht (lacht). Damals war ich in einer Phase, in der ich gierig alle möglichen Aufträge angenommen habe, und da steckte wohl auch eine gewisse Abenteuerlust dahinter – die Vorstellung, dass ein Magical-Girl-Werk ja auch interessant sein könnte. Ich habe mich einfach gefreut, etwas machen zu dürfen, das ich noch nie gemacht hatte. Man könnte sagen, ich war jung genug, um zu denken, dass ein bisschen Verwirrung einfach dazugehört.
— Wenn Sie jetzt, zu diesem Anlass, auf das damalige Werk zurückblicken, gibt es sicher einiges, was Sie empfinden.
Urobuchi: Wenn ich es mir heute noch einmal ansehe, habe ich das Gefühl, dass ich das damals, vor über zehn Jahren, nur schreiben konnte, weil ich Mitgefühl und ein Problembewusstsein für die inneren Konflikte der Magical Girls hatte. Ich bin mir sehr bewusst, dass der heutige Ich das nicht mehr schreiben könnte – nicht nur wegen meines Alters, sondern auch, weil sich die Zeiten verändert haben.
Damals konnte ich mir noch vorstellen, wovor junge Menschen Angst hatten und wonach sie sich sehnten. Aber bei der heutigen Generation, die mit Smartphones und sozialen Netzwerken aufgewachsen ist, verstehe ich inzwischen selbst nicht mehr genau, worüber sie sich freuen und worunter sie leiden.
— Das Werk hat bis heute viele treue weibliche Fans, daher hat man das Gefühl, dass das Dargestellte etwas Universelles hat.
Urobuchi: Wenn das gut ankommt, freut mich das sehr. Gleichzeitig denke ich mir, dass wir als Erwachsene darüber nachdenken sollten, wenn junge Menschen solche Gefühle in sich tragen.
— Wir haben auch mit Aoi Yuki gesprochen, die Madoka Kaname spricht. Besonders im Gedächtnis geblieben ist uns, dass Yuki die Ausstrahlungszeit von „Puella Magi Madoka Magica“ als „wie ein Fest“ beschrieben hat. Wenn Sie heute zurückblicken: Was für einen Einfluss hat „Puella Magi Madoka Magica“ Ihrer Meinung nach gehabt?
Urobuchi: Nun ja. Aus Sicht der Macher denke ich weniger, dass es speziell an „Puella Magi Madoka Magica“ als Werk lag, sondern eher, dass es ein Wendepunkt in der Branche war – der Beginn davon, dass Autoren aus anderen Branchen zunehmend für Anime-Drehbücher engagiert wurden.
— Tatsächlich zogen damals neben Ihnen, der in der Bishōjo-Spiele-Branche aktiv war, auch Jun Maeda von „Angel Beats!“ und Fumiaki Maruto von „Saekano: How to Raise a Boring Girlfriend“ zunehmend die Aufmerksamkeit von Anime-Fans auf sich.
Urobuchi: Bei Autoren, die mehr Erfahrung hatten als ich, war es in der Anime-Branche eigentlich üblich, erst wie in einem Lehrlingssystem als Assistent Erfahrung zu sammeln und dann nach und nach Episodendrehbücher und die Serienkonzeption zu übernehmen, um so Karriere zu machen. Ich glaube, dass gerade der Umstand, dass wir auf einem anderen Weg Aufmerksamkeit erregt haben, das Besondere an „Puella Magi Madoka Magica“ war.
— Gab es im Kernteam also auch das Bewusstsein, ein Werk zu schaffen, das nicht den üblichen Anime-Konventionen folgt?
Urobuchi: Shinbo wollte offenbar einen Autor, der mit dem Anime-Geschäft nicht vertraut ist, und deshalb wurde wohl ich gerufen. Vor dem Hintergrund, dass insgesamt immer mehr Autoren und Kreative aus anderen Branchen den Weg zum Anime fanden, war „Puella Magi Madoka Magica“ wohl das, was dabei besonders auffiel – das ist zumindest mein Eindruck, wenn ich heute darauf zurückblicke.
Es war eine Zeit, in der selbst Leute, die bisher nur Anime konsumiert hatten, durch das Aufkommen von Internet und Blogs auch auf andere Genres aufmerksam wurden und sich zunehmend für Bishōjo-Spiele interessierten. In so einer Zeit habe ich wohl meinen Auftrag bekommen, denke ich.
— Ich nehme an, es gab auch Schwierigkeiten, weil Sie nicht aus der klassischen Anime-Branche kamen …
Urobuchi: Nein, damals war ich eher übermütig, könnte man sagen – ich habe die Mühen gar nicht wirklich als Mühen empfunden. Ich war ein Anime-Autor, der quasi im Schnellverfahren in ein bis zwei Jahren „herangezüchtet“ wurde. Dass jemand mit einer so kurzen Karriere die Serienkonzeption und sämtliche Episodendrehbücher übernehmen sollte, weil man ein untypisches Anime-Drehbuch wollte, war schon ungewöhnlich und eigentlich ziemlich verrückt. Aber zum Glück war ich der Typ, der so etwas einfach mit Begeisterung angeht.
15 Jahre sind seit der TV-Ausstrahlung von „Puella Magi Madoka Magica“ vergangen, 13 Jahre seit dem Kinostart von „Madoka Magica – Der Film: Rebellion“. Das Umfeld der Anime-Branche hat sich stark verändert – umso spannender dürfte es sein, mit dem Blick der Macher im Hinterkopf darüber nachzudenken, wie sich diese Geschichte seither weiterentwickelt hat.
Text/kato
(C)Magica Quartet/Aniplex,Madoka Project















