—— Takaba ist 35 Jahre alt, was für einen Comedian kein junges Alter mehr ist. Vielleicht ist es gerade das, was die Zuschauer so berührt?

Tsuruoka: Es ist doch ein großes Glück, wenn man zum Beispiel auf ein Werk trifft, bei dem man das Gefühl hat: „Genau so etwas wollte ich machen.“ Indem er ein Teilnehmer des „Culling Game“ wird, erschafft er sich seine ganz eigene Bühne. Er landet bei der ultimativen Form der Selbstdarstellung, in der er die Welt erschafft und sie selbst bespielt. Man hat das Gefühl, dass er endlich anfängt, glücklich zu werden.

—— Seine aufrichtige und reine Art zieht die Menschen wirklich in den Bann, oder?

Tsuruoka: Gerade weil er so rein ist, wird er auch verletzt – und genau das macht ihn für mich zu einem tollen Kerl.

—— Vor Ken-san gab es ja auch diesen älteren Comedian-Kollegen, der sehr bissige Worte an Takaba gerichtet hat. Comedians, aber auch Schauspieler stehen in der Öffentlichkeit und haben sicher oft damit zu tun, dass viel über sie gesagt wird.

Tsuruoka: Ich bin bereit, alles anzunehmen, was man mir entgegenwirft. Bei der Produktion eines Anime gibt es eine Weltanschauung, die der Regisseur anstrebt. Wenn ich für meinen Takaba in „JUJUTSU KAISEN“ vom Regisseur ein „Okay“ für den Take bekomme, dann bin ich ein Teil des Teams, das dieses Werk gemeinsam erschafft. Wenn ich eine Rolle übernehme, bringe ich dieses Maß an Entschlossenheit und Bereitschaft mit.

—— Das klingt sehr kraftvoll. Darf ich fragen, ab wann Sie in Ihrer Karriere diese Entschlossenheit entwickeln konnten?

Tsuruoka: Ich bin jetzt seit fast 30 Jahren als Synchronsprecher tätig. In dieser Zeit habe ich natürlich weitaus mehr Auditions verloren als gewonnen. Am Anfang denkt man nur: „Schade, ich bin durchgefallen.“ Aber wenn sich das häuft, bekommt man das Gefühl, man hätte bei der „Reise nach Jerusalem“ um die Rollenbesetzung den Kürzeren gezogen.

Wenn hunderte Leute um einen Platz kämpfen, gibt es in mir den Teil, der sagt: „Ist doch logisch, dass man verliert“, aber auch den Teil, der kämpft und sagt: „Ich will diesen Platz trotzdem!“ Wenn man dann immer wieder verliert, kommt das bedauerliche Gefühl auf, dass das eigene Schauspiel wohl nicht gut genug ist, und es wird schmerzhaft.

—— Auch als Autor sind die Plätze pro Medium oft begrenzt, daher kann ich dieses Gefühl sehr gut verstehen.

Tsuruoka: Wenn sich das über Jahre ansammelt, beginnt man irgendwann, eine „Jetzt erst recht“-Einstellung zu entwickeln. In dem Moment, als ich den Verlierer in mir akzeptieren konnte und dachte „Na ja, so ist es eben“, wurde mir leichter ums Herz. Ich dachte mir: „Wenn ich es nicht so mache, wie ich es will, ist es doch reine Verschwendung.“ Ich habe angefangen, Trends und Moden völlig zu ignorieren. Das war vor etwa zehn Jahren, als ich anfing zu sagen: „Ich empfinde es so, also will ich es so spielen.“

—— Gerade weil Sie diese Einstellung haben und das einbringen, was Sie wirklich machen wollen, macht es Ihnen nichts mehr aus, was andere sagen.

Tsuruoka: Es hat wohl etwa 20 Jahre gedauert, bis dieser innere Kampf mit mir selbst, dieses ständige Hinterfragen, aufhörte. Auf die Frage „Warum wollte ich eigentlich Schauspieler und Synchronsprecher werden?“ konnte ich endlich antworten: „Um Rollen zu interpretieren und so zu spielen, wie ich es möchte – und das ist völlig okay.“ Ich glaube, ich konnte so werden, weil ich durch das viele Verlieren gelernt habe, mir selbst gegenüber ein bisschen nachsichtiger zu sein.

—— Wenn man einen bestimmten Weg geht, sind Misserfolge schmerzhaft. Aber jeder hat ein Ziel und eine Motivation, warum er vorankommen will. Durch die Figur des Fumihiko Takaba konnten Sie dieses Thema für sich selbst noch einmal reflektieren.

Tsuruoka: Ganz genau. Ich denke, das Leben an sich besteht darin, seinen eigenen Grund zum Weitermachen zu finden und selbst bei Schwierigkeiten voranzuschreiten.

Selbst wenn jemand sagt, dass ein anderer Weg einfacher wäre – wenn es nicht der Weg ist, den ich gehen will, dann bleibe ich auf meinem eigenen. Und wenn da kein Weg ist, dann mäht man eben das Gras und erschafft sich einen. Mit dieser Einstellung kann man, glaube ich, überleben. Deshalb beneide ich Takaba (lacht). Er hat die Schwierigkeiten bereits hinter sich gelassen und geht einfach voran!

[Fotos/Bilder] „Ich beneide Takaba“ – Welcher Lebensweg offenbart sich durch den Charme von Fumihiko Takaba im Anime „JUJUTSU KAISEN“? 【Interview mit Synchronsprecher Satoshi Tsuruoka】 2
Vergrößern

Man darf gespannt sein, wie Satoshi Tsuruoka mit dieser Entschlossenheit die Figur des Fumihiko Takaba zum Leben erweckt hat. Achten Sie bei „JUJUTSU KAISEN Season 3: The Culling Game Part 1“ unbedingt darauf.

Interview & Text / kato

(C)Gege Akutami/Shueisha

Bildergalerie zum Artikel
Deutsch
Fotos zu diesem Artikel ansehen (2 Bilder)