[Fotos/Bilder] „Von Mittelschülern völlig vereinnahmt zu werden (lacht)“ – Interview mit Yuko Sanpei, der Synchronsprecherin des TV-Anime Kill Blue 1
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Die TV-Anime-Adaption des Action-Comedy-Mangas Kill Blue (veröffentlicht in Shueishas Jump Comics), der zuvor in der „Weekly Shōnen Jump“ serialisiert wurde, wird derzeit jeden Samstag ab 23:00 Uhr auf dem TV Tokyo Network ausgestrahlt. Der Protagonist Juzo Ogami, ein legendärer Auftragskiller, wurde von einer mysteriösen Biene gestochen und dadurch in die Gestalt eines 13-Jährigen verwandelt. Nun muss er im Rahmen einer Infiltrationsmission eine Mittelschule besuchen.

Während die Serie packende Kämpfe bietet, um seine Klassenkameradin Noren Mitsuoka zu schützen, wird auch Juzos Alltag an der Schule humorvoll und temporeich dargestellt, in dem er mit seinem ersten Schulleben und dem Generationenkonflikt zu kämpfen hat.

In diesem Artikel haben wir Yuko Sanpei, die Stimme von Juzo Ogami, interviewt. Wir haben sie gefragt, wie sie die Rolle von Juzo angegangen ist – einem Charakter, der ein professioneller Killer ist, aber plötzlich im Körper eines Mittelschülers steckt.

—— Frau Sanpei, Sie haben in Ihrer Karriere schon oft Jungenrollen gesprochen, aber Juzo ist ein 39-jähriger Mann und Auftragskiller in der Gestalt eines Mittelschülers.

Sanpei: Ich habe zwar schon viele Jungenrollen gespielt, aber ein Charakter, der diese unterschwellige Ausstrahlung eines älteren Mannes verströmt, war bisher selten dabei. Mein erster Eindruck war daher, dass es beim Sprechen unglaublich viel Spaß machen würde und ich diese Rolle unbedingt übernehmen wollte.

—— Können Sie uns mehr über Ihren Ansatz zur Charakterentwicklung für Juzo erzählen?

Sanpei: Als ich zum Vorsprechen ging, habe ich mir überlegt, wie ich das Alter durch die Sprechweise ausdrücken könnte, und habe entsprechend geübt. Bei den Aufnahmen zur ersten Episode spielte Takeuchi-kun jedoch zuerst den erwachsenen Juzo zu Beginn der Geschichte – einen professionellen Auftragskiller, der zudem geschieden ist und so seinen Charakter etablierte.*

*Anmerkung der Redaktion: Der erwachsene Juzo Ogami wird von Shunsuke Takeuchi gesprochen. Bis Juzo in der ersten Folge von der mysteriösen Biene gestochen wird, übernimmt Takeuchi die Rolle; danach spielt Sanpei den Juzo in seiner Gestalt als Mittelschüler.

Da die Aufnahmen genau dem Handlungsablauf folgten – vom Stich der Biene bis zur Verwandlung –, konnte ich seine Darbietung im Hintergrund des Studios mitverfolgen und so einen Einblick in Juzos Leben gewinnen. Ich wollte die Schwere und die Melancholie eines Profis, die er verkörperte, als Kern übernehmen und nahtlos weiterführen, sodass man merkt, dass es trotz der Verwandlung dieselbe Person ist.

—— Verstehe. Haben Sie sich mit Herrn Takeuchi über die Darstellung von Juzo abgestimmt?

Sanpei: Wir haben nicht direkt darüber gesprochen, aber dadurch, dass wir uns gegenseitig gezeigt haben, was wir für die Rolle vorbereitet hatten, und Takeuchi-kun seinen Teil spielte, fühlte sich die Figur sehr lebendig und greifbar an.

—— Es ist interessant, wie Sie beide Juzos Persönlichkeit wahrgenommen haben.

Sanpei: Juzo hat sich immer nur auf seinen Job als Killer konzentriert, aber das lag wohl eher daran, dass er zufällig dafür geeignet war. Da sein höchster Bildungsabschluss die Grundschule ist, ist er (trotz seiner 39 Jahre) kein Mensch mit besonders vielfältigen Lebenserfahrungen... Ich denke, das war etwas, das wir beide gefühlt haben, ohne es explizit besprechen zu müssen.

—— Tatsächlich wird in der ersten Episode gezeigt, dass er nicht gut mit Kindern umgehen kann, und er war anfangs sehr überfordert damit, als Mittelschüler zur Schule gehen zu müssen.

Sanpei: Im Vergleich zu den lebhaften Kindern von heute gibt es bei ihm diese gewisse Distanz, diese Müdigkeit eines Erwachsenen oder eine sehr gesetzte Grundstimmung, die beim Spielen von Juzo immer wieder zum Vorschein kommt.

Ich glaube, das sind die Elemente, die Juzos Charakter ausmachen. Er ist zwar der beste Killer der Welt, aber er ist nicht besonders stolz darauf. Er ist geschieden, lebt getrennt von seinem Kind und denkt sich: „Mein Leben ist echt langweilig“. Und dann muss er plötzlich in einer Mittelschule infiltrieren.

—— Wenn man es so in Worte fasst, ist das ein gewaltiger Kontrast (lacht).

Sanpei: Und dann wird er auch noch von den Mittelschülern völlig vereinnahmt (lacht). Da wird eine Art von Erbärmlichkeit gezeigt, die sich von Melancholie unterscheidet. Man merkt plötzlich, dass er nur ein älterer Herr ist, der mit Social Media überhaupt nicht klarkommt, was ihn sofort nahbar macht. Diesen Kontrast und diese Liebenswürdigkeit finde ich toll. Die Lücke zwischen seiner Coolness bei den Action-Szenen als Killer und der Tatsache, dass er gegen Mittelschüler manchmal kein Land sieht, ist für mich persönlich sehr amüsant.

—— „Kill Blue“ ist ein Werk, das sowohl Action als auch Comedy bietet. Juzo ist ein Charakter, der je nach Situation den „Boke“ (den Lustigen) oder den „Tsukkomi“ (den Besonnenen) spielt. Er muss sich mit Mittelschülern herumschlagen und gleichzeitig gegen Attentäter kämpfen. Die darstellerische Bandbreite scheint mir sehr groß zu sein...

Sanpei: (antwortet sofort) Es war wahnsinnig anstrengend!

Alle: (lachen)

Sanpei: In der ersten Episode war er eben noch ein professioneller Killer mit einer extremen Hardboiled-Aura. Wenn ich ihn dann zu sehr wie einen normalen Mittelschüler hätte klingen lassen, wäre es nur noch ein wildes Durcheinander gewesen. Ich musste genau abwägen, wie viel von dieser Jungenhaftigkeit ich zulassen durfte...

—— Das knüpft an das an, was Sie vorhin über Juzos Wesen sagten.

Sanpei: Was ich an Juzo auch einzigartig finde, ist seine Art, eine gewisse Distanz zu den Ereignissen zu bewahren. Selbst wenn zum Beispiel bei Noren etwas passiert, das nach dem Beginn einer Liebeskomödie aussieht, ist er völlig in seine Ramen vertieft oder reagiert mit einer fast schon philosophischen Abgeklärtheit.

Diese Distanz ist lustig, aber wir mussten im Studio durch Regieanweisungen und Gespräche genau austarieren, wie sehr er auf bestimmte Dinge reagieren sollte oder eben nicht.

—— Da „Kill Blue“ viele Charaktere mit vielschichtigen Facetten hat, ist wohl ein sehr feines Fingerspitzengefühl gefragt.

Sanpei: Ja. Wir wollen natürlich, dass es für die Zuschauer unterhaltsam ist, aber wir dürfen uns nicht zu weit vom Kern des Charakters entfernen, was wirklich schwierig ist.

—— In der ersten Episode sieht man sowohl die coolen als auch die lustigen Seiten von Juzo – von dem Moment, in dem er vor Rührung weint, weil er den Spaß am Lernen entdeckt, bis hin zu der Szene, in der er mit dem Gruppenchat der Klasse nicht klarkommt.

Sanpei: Das stimmt. Aber während die Mittelschüler um ihn herum beim Thema Lernen eher unmotiviert sind, ist Juzo extrem euphorisch. Es gibt viele Momente, in denen er einfach nicht so ganz mit seinem Umfeld harmoniert.

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Man sollte unbedingt im aktuell laufenden TV-Anime Kill Blue miterleben, wie Juzo seine Mission an der Mittelschule meistert, Hindernisse überwindet und dabei ständig neue Entdeckungen macht.

Interview & Text / kato
(C) 藤巻忠俊/集英社・「キルアオ」製作委員会

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